Fernsehbeitrag in der ZDF Drehscheibe über Dreck Attack unter:

http://wstreaming.zdf.de/zdf/veryhigh/080117_hansen_dde.asx

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Hamburger Abendblatt
St. Pauli: Sieben Jugendliche starten das Projekt "Dreck-Attack"
Die Saubermänner vom Kiez
Ömer, Timo, Onur, Yilmaz, Christian, Özgür und Kevin-Tyrone wollen ihren Stadtteil vom Müll befreien.

Von Özlem Topcu

Sie nennen sich "Dreck-Attack" und haben dem Schmutz auf St. Pauli den Kampf angesagt - und damit sind nicht Sex-Shops oder Drogen gemeint, sondern Hundekot und Müll. Ömer, Timo, Yilmaz, Onur, Christian, Özgür und Kevin-Tyrone haben es satt, dass ihr Zuhause immer so dreckig ist.

Vor etwa drei Monaten haben sich die Jungs zwischen 16 und 19 Jahren zusammengeschlossen, um ihre Umgebung zu verschönern, indem sie auf die Straße gehen und sauber machen.

"Wir sind stolz auf unsere Idee, den Kiez sauberer zu machen", sagt Özgür (17). Er ist einer der sieben Jungs, von denen fünf nichtdeutsche Wurzeln haben. Die Jugendlichen, die sich seit Kindesalter kennen, haben die Schule dieses Jahr beendet und treffen sich zweimal in der Woche beim "Jugendprojekt am Hein-Köllisch-Platz" auf St. Pauli. Dort tauschen sie Erfahrungen über die Suche nach einem Ausbildungsplatz aus, diskutieren über unterschiedliche Themen im Stadtteil oder kochen und essen einfach gemeinsam. Unterstützt werden sie dabei von Sozialarbeiter Richard Krauß (36). Gemeinsam bewarben sie sich bei einer Ausschreibung der gemeinnützigen Initiative "Ashoka", die Startkapital an Jugendliche vergibt und ihnen damit die Umsetzung ihrer Projektideen ermöglicht.

Vergangene Woche hat "Dreck-Attack" den Zuschlag erhalten. "Wir wollen etwas in unserem Stadtteil verändern, und alle waren der Meinung, dass es der Dreck auf dem Kiez ist, der uns am meisten stört", sagt Gruppenleiter Kevin-Tyrone (18). "Wir identifizieren uns mit St. Pauli, fühlen uns sehr wohl hier. Deshalb möchten wir auch ein gutes Bild von unserem Stadtteil abgeben." Aber ist ihnen das vor Gleichaltrigen gar nicht peinlich, über den Kiez zu laufen und Müll einzusammeln?"Am Anfang wird es sicher ein bisschen komisch sein. Aber das ist uns egal. Wir wollen Vorbild für andere Jugendliche sein", sagt Özgür. Dafür wollen sie mit einem selbst entworfenen Flugblatt in Jugendhäusern und Schulen werben. "Vielleicht werden einige am Anfang lachen. Aber auch sie werden sehen, dass es eine gute Sache ist."

Schließlich, und das würden sie jeden Tag sehen, sei St. Pauli kein einfaches Pflaster. Aber sie träumten von einem sauberen Kiez. "Die Jugendlichen wollen mehr vom Leben als mit einem Messer über den Kiez zu laufen. Sie wollen spüren, dass ihr Handeln etwas bewegt, dass sie selbst etwas bewirken können", beschreibt Krauß die Motivation der Gruppe.

Am meisten nerven die Saubermänner Hundekot und Glasscherben: "Kinder können wegen des Hundekots nicht vernünftig spielen oder treten in Glasscherben und verletzen sich. Das wollen wir vermeiden", sagt Özgür. Die Zahlen der Stadtreinigung geben ihnen Recht: Auf St. Pauli wird zweimal täglich sauber gemacht. In anderen Stadtteilen nur ein- bis zweimal wöchentlich. "St. Pauli hat die höchste Reinigungsfrequenz", sagt Sprecher Reinhard Fiedler. "Hier kommen sogar ab 22 Uhr sogenannte Nachtfeger zum Einsatz, die jede Nacht Müllsäcke entfernen und die Straßen sauber machen", so Fiedler.

Ab Januar legt "Dreck-Attack" richtig los. An einem Nachmittag nach dem Wochenende wollen die Jungs drei bis vier Stunden sauber machen. Die Vorbereitungen laufen: "Mit dem Startkapital von 800 Euro finanzieren wir unser Equipment. Wir brauchen Reinigungsmittel, Handschuhe. Und natürlich Westen - wie bei der Stadtreinigung", sagt Kevin-Tyrone. Die Westen, das wissen die Jungs schon, werden auf der Vorderseite mit "Dreck-Attack" bedruckt, und hinten wird stehen: "Für ein sauberes St. Pauli."


Hamburger Abendblatt
erschienen am 18. Dezember 2007
Projekt "Dreck Attack" - Hilfe von der Stadtreinigung
Sie haben dem Müll, Dreck und Hundekot auf St. Pauli den Kampf angesagt: Ömer, Timo, Yilmaz, Christian, Onur, Özgür und Kevin-Tyrone starteten vor drei Monaten das Projekt "Dreck-Attack". (Wir berichteten.)

Jetzt sollen die Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren professionelle Hilfe bekommen. Die Stadtreinigung Hamburg (SRH) will die sieben Jugendlichen noch Anfang Januar zu einem Erfahrungsaustausch treffen und mit den "Saubermännern" vom Kiez darüber sprechen, in welcher Form beide Seiten zusammenarbeiten könnten.

"Wir wollen die Jungs mit Besen, Harken, Müllzangen, Westen und Handschuhen ausrüsten", erklärt Stadtreinigungs-Sprecher Reinhard Fiedler. Feger der Stadtreinigung sollen zudem Tipps und Tricks verraten.

"Wir nehmen die Unterstützung gern an", sagt Sozialarbeiter Richard Krauß (36), der die Gruppe betreut. Er betonte aber, dass "Dreck-Attack" ein freiwilliges Projekt sei, das die Jugendlichen aus eigenem Willen ins Leben gerufen hätten. "Wir wollen nicht der verlängerte Arm der Stadtreinigung sein."

"Dreck-Attack" soll im Januar beginnen. An einem Nachmittag nach dem Wochenende wollen die Jungs drei bis vier Stunden sauber machen. Um die Aktion zu finanzieren hatte sich die Gruppe auf eine Ausschreibung der gemeinnützigen Initiative "Ashoka" beworben. 800 Euro stehen ihnen jetzt als Startkapital zur Verfügung.

dfe
erschienen am 21. Dezember 2007



Saubermachen statt Rumhängen
Sieben Jungs räumen in ihrem Viertel den Müll weg, um nicht "Scheiße zu bauen"

Von Maren Albertsen


Die Gruppe »Dreck Attack« rückt seit Anfang des Jahres jeden Dienstag mit Greifzangen und Müllbeuteln in ihrem Wohnviertel aus.
©epd-bild/Albertsen Hamburg (epd). Mit dem Projekt "Dreck Attack" wollen sieben junge Männer in Hamburg ihren Stadtteil verschönern. Positiver Nebeneffekt: Die Jugendlichen entwickeln Zukunftsperspektiven und erhöhen ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz.
Begeistert sieht Kevin nun nicht gerade aus. Versunken in weiten Trainingsklamotten, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, hat sich der 18-Jährige aufs Sofa gefläzt. Ab und zu gähnt er. Er ist müde, hatte einen stressigen Vormittag. Aber er ist trotzdem gekommen. Freiwillig. Denn er ist zuverlässig. Obwohl die Aufgabe, die vor ihm liegt, keine ist, um die sich Jugendliche reißen: Saubermachen. Auf St. Pauli, dem dreckigsten Stadtteil Hamburgs. Neben den Anwohnern lassen auch rund 200.000 Besucher jedes Wochenende hier ihren Müll zurück. So viel, dass die Stadtreinigung mit dem Putzen nicht nachkommt. Darum hat Kevin zusammen mit sechs Freunden die Gruppe "Dreck Attack" gegründet. Seit Anfang des Jahres rücken sie jeden Dienstag mit Greifzangen und Müllbeuteln in ihrem Wohnviertel aus.

Sozialarbeiter Richard Krauß unterstützt die Jugendlichen bei dem Projekt und bewarb sich mit ihnen bei "Ashoka" – einer gemeinnützigen Initiative, die Startkapital an Jugendliche vergibt, damit diese ihre Ideen auch umsetzen können. Ende letzten Jahres bekam "Dreck Attack" das nötige Geld für die Ausrüstung. Aber Krauß geht es um viel mehr als nur um Müllsammeln.

Als der 36-Jährige vor zwei Jahren als Sozialarbeiter auf St. Pauli anfing, fiel ihm auf, dass nach Schulschluss viele Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren auf der Straße rumhingen. Darunter überwiegend junge Männer mit Migrationshintergrund und ohne Zukunftsperspektive. "Da war klar, dass wir etwas tun müssen, damit sie nicht abrutschen." Krauß entwickelte das Jugendprojekt "Big Point". Vorrangiges Ziel: Jedem der Teilnehmenden einen Ausbildungsplatz zu vermitteln. Geschenkt wird den Jugendlichen dabei nichts: "Die Motivation, Hilfe anzunehmen und sein Leben verändern zu wollen, muss vorhanden sein", so Krauß. "Ich arbeite nur mit den Zuverlässigen."

In diesem Fall sind das also Kevin und seine Freunde Ömer, Özgür, Christian, Timo, Onur und Yilmaz. Die Eltern der meisten Jungs kommen aus dem Ausland, doch sie selbst sind in Hamburg geboren und in St. Pauli aufgewachsen. Alle haben einen Hauptschul- oder Realschulabschluss – einen Ausbildungsplatz haben sie trotzdem nicht bekommen. "Nach unzähligen Bewerbungsabsagen ist man schon frustriert", meint Timo, 16. Das Angebot von Richard Krauß, den die Jungs mittlerweile kumpelhaft "Richie" rufen, kam für sie deshalb zur richtigen Zeit. "Sonst würde ich jetzt rumhängen und Scheiße bauen", glaubt Özgür, 17. Im August letzten Jahres traf sich die Gruppe das erste Mal, seitdem sehen sie sich regelmäßig. Wenn sie nicht Müllsammeln, klönen sie, kochen, machen Sport – und bereiten sich auf Bewerbungsgespräche vor. Schon jetzt zeigen sich erste Erfolge. (...)

der vollständige Text erscheint in epd sozial Nr. 6 vom 8. Februar 2008

Wandern gegen den Frust
Hamburger Morgenpost 29.07.2009